Friedrich der Große
Geboren im Jahre 1712, sorgte der preußische Thronfolger mit 18 Jahren zum ersten Mal in ganz Europa für Schlagzeilen. Mit seinem Fluchtversuch von 1730 betrat Friedrich die Weltbühne, die er 1786 als „der Große“ wieder verlassen sollte. Dazwischen liegt ein selten facettenreiches Leben, in dem er die unterschiedlichsten Rollen spielte.
Wirken und Wesen

Das Interesse an Friedrich galt lange vor allem seinem Wirken. Nur wenige fragten nach seinem Wesen, seinem Charakter, seiner Persönlichkeit.
Dabei rätselten schon die Zeitgenossen, wer der Mensch Friedrich eigentlich sei. Sie fragten nach seiner Moral und bekamen keine Antwort, denn daraus machte er ein Geheimnis. Er ließ die Leute über sich im Unklaren und zeigte sich jedem anders. Schwer zu durchschauen war das, aber immer geschickt in Szene gesetzt und auf seinen Ruhm berechnet.
Der Hang zum Risiko

Ein Charakterzug tritt bei Friedrich besonders hervor, die Bereitschaft zum Risiko. Da ist die Flucht vor dem Vater. Da ist, gleich zu Beginn seiner Regierung, der Einmarsch in Schlesien mit einem unerfahrenen Heer. Und da ist der Einmarsch in Sachsen, der ganz Europa gegen ihn aufbrachte und den Siebenjährigen Krieg eröffnete.
Die Folgen seines Handelns bedachte er selten. Auf andere nahm er kaum Rücksicht, auf sich selbst ebenso wenig.
Es lohnt sich deshalb, Friedrich unter dem Leitbegriff Risiko zu betrachten. Man gewinnt neue, oft überraschende Einblicke, und schnell zeigt sich ein Muster: Das Wagnis war für ihn die Voraussetzung, um Ruhm zu erlangen. Den erstrebte er unter allen Umständen. Das trieb ihn an.
Ruhm um jeden Preis

„Ich liebe den Krieg um des Ruhmes willen“, schrieb Friedrich an seinen Vorleser Charles Etienne Jordan, und er fügte hinzu, beinahe um Verständnis bittend: „Die Genugtuung, meinen Namen in den Zeitungen und später in der Geschichte zu sehen, hat mich verführt.“
Siege im Feld und Erfolge in Kunst und Wissenschaft genügten ihm nicht. Alles musste, um im heutigen Vokabular zu bleiben, medial ausgeschlachtet werden, und dafür sorgte Friedrich als sein eigener PR-Manager. Er wollte als Feldherr und Dichter anerkannt werden, als Philosoph und als Kunstfreund. Dieses Streben fiel schon den Zeitgenossen auf.
Sparsam war er dabei weniger, als die Legende behauptet. Für Luxusprodukte, Kleidung und Kunstwerke gab er viel Geld aus, kurz gesagt für die Darstellung seines Ruhms, und auch Hof und Zeremoniell lagen ihm mehr am Herzen, als man lange annahm. Der Essayband zur Ausstellung kommt zu einem klaren Schluss: Friedrich wollte unter allen Umständen ein Großer werden, und dazu hat ihn keine anonyme Macht der Geschichte erhoben, „sondern er selbst hat sich dazu gemacht“.
Freunde und Einsamkeit

An seiner Tafel in Sanssouci versammelte Friedrich gern Gelehrte und Schöngeister. Adolph Menzel malte die Runde 1850, mit Voltaire unter den Gästen, der von 1750 bis 1753 am preußischen Hof lebte. Freundschaft war für den König ein Ideal, das sich schwer leben ließ, und im Alter wurde es still um ihn.
Andreas Kilb erinnerte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an Condé, den Schimmelwallach, den Friedrich 1777 erwarb, und an die letzten Jahre, in denen dem König nur noch Pferde und Hunde blieben:
In der Potsdamer Ausstellung kann man diese Einsamkeit spüren wie einen Schleier, der sich über alles legt, was am achtzehnten Jahrhundert groß und glänzend war.
Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. April 2012
Bildnisse
Friedrich saß nicht gern Modell. Bildnisse von ihm gibt es trotzdem in großer Zahl, auf Leinwand, in Marmor und auf Porzellan. Die Auswahl zeigt, wie verschieden derselbe Mann aussehen konnte, je nachdem, wer ihn darstellte und für wen.
| Künstler oder Werkstatt | Werk | Jahr |
|---|---|---|
| Antoine Pesne | Friedrich als Kronprinz | 1736 |
| Antoine Pesne | Friedrich als Kronprinz | 1738 |
| Antoine Pesne | Friedrich II., König von Preußen | 1740 |
| Johann Georg Ziesenis | Friedrich der Große | 1763 |
| Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin | Tabatière en portrait, Tabakdose mit Bildnis | um 1765 |
| unbekannter Bildhauer | Büste Friedrichs II. | um 1770 |
| Anna Dorothea Lisiewska | Friedrich II. von Preußen | 1772 |
| Anton Graff | Friedrich der Große | 1781 |
| unbekannter Künstler | Friedrich II. von Preußen | vor 1786 |
| Johann Heinrich Christian Franke | Friedrich II. vor dem Janustempel | ohne Datum |


Das Gesicht mit dem Dreispitz und den großen hellen Augen kennt man. Erstaunlich ist, wie stark es sich von Bild zu Bild unterscheidet, mal streng, mal müde, mal beinahe freundlich.


Büste und Tabakdose zeigen eine andere Seite des Ruhms. Das Gesicht des Königs ließ sich besitzen, verschenken und auf den Tisch stellen. Wer eine solche Dose aus der Berliner Manufaktur in der Hand hielt, trug ein Stück Königsbild mit sich herum.
Wie das Thema in der Ausstellung aussah, beschreibt der Abschnitt Königsbilder. Die Lebensdaten stehen in der Zeittafel.