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Friederisiko

Friedrich der Große

Geboren im Jahre 1712, sorgte der preußische Thronfolger mit 18 Jahren zum ersten Mal in ganz Europa für Schlagzeilen. Mit seinem Fluchtversuch von 1730 betrat Friedrich die Weltbühne, die er 1786 als „der Große“ wieder verlassen sollte. Dazwischen liegt ein selten facettenreiches Leben, in dem er die unterschiedlichsten Rollen spielte.

Wirken und Wesen

Johann Georg Ziesenis, Friedrich der Große, 1763. Friedrich im blauen Rock mit Ordensstern vor graubraunem Grund

Das Interesse an Friedrich galt lange vor allem seinem Wirken. Nur wenige fragten nach seinem Wesen, seinem Charakter, seiner Persönlichkeit.

Dabei rätselten schon die Zeitgenossen, wer der Mensch Friedrich eigentlich sei. Sie fragten nach seiner Moral und bekamen keine Antwort, denn daraus machte er ein Geheimnis. Er ließ die Leute über sich im Unklaren und zeigte sich jedem anders. Schwer zu durchschauen war das, aber immer geschickt in Szene gesetzt und auf seinen Ruhm berechnet.

Der Hang zum Risiko

Nach der Schlacht bei Kolin, Stich nach einem Gemälde von Julius Schrader, 19. Jahrhundert. Stich: Friedrich sitzt nach der verlorenen Schlacht müde auf einem Kanonenrohr, die Hand auf dem Degen

Ein Charakterzug tritt bei Friedrich besonders hervor, die Bereitschaft zum Risiko. Da ist die Flucht vor dem Vater. Da ist, gleich zu Beginn seiner Regierung, der Einmarsch in Schlesien mit einem unerfahrenen Heer. Und da ist der Einmarsch in Sachsen, der ganz Europa gegen ihn aufbrachte und den Siebenjährigen Krieg eröffnete.

Die Folgen seines Handelns bedachte er selten. Auf andere nahm er kaum Rücksicht, auf sich selbst ebenso wenig.

Es lohnt sich deshalb, Friedrich unter dem Leitbegriff Risiko zu betrachten. Man gewinnt neue, oft überraschende Einblicke, und schnell zeigt sich ein Muster: Das Wagnis war für ihn die Voraussetzung, um Ruhm zu erlangen. Den erstrebte er unter allen Umständen. Das trieb ihn an.

Ruhm um jeden Preis

Daniel Chodowiecki, Friedrich der Große zu Pferde, 1777. Der alte König mit Dreispitz reitet auf einem hellbraunen Pferd vor weiter Landschaft

„Ich liebe den Krieg um des Ruhmes willen“, schrieb Friedrich an seinen Vorleser Charles Etienne Jordan, und er fügte hinzu, beinahe um Verständnis bittend: „Die Genugtuung, meinen Namen in den Zeitungen und später in der Geschichte zu sehen, hat mich verführt.“

Siege im Feld und Erfolge in Kunst und Wissenschaft genügten ihm nicht. Alles musste, um im heutigen Vokabular zu bleiben, medial ausgeschlachtet werden, und dafür sorgte Friedrich als sein eigener PR-Manager. Er wollte als Feldherr und Dichter anerkannt werden, als Philosoph und als Kunstfreund. Dieses Streben fiel schon den Zeitgenossen auf.

Sparsam war er dabei weniger, als die Legende behauptet. Für Luxusprodukte, Kleidung und Kunstwerke gab er viel Geld aus, kurz gesagt für die Darstellung seines Ruhms, und auch Hof und Zeremoniell lagen ihm mehr am Herzen, als man lange annahm. Der Essayband zur Ausstellung kommt zu einem klaren Schluss: Friedrich wollte unter allen Umständen ein Großer werden, und dazu hat ihn keine anonyme Macht der Geschichte erhoben, „sondern er selbst hat sich dazu gemacht“.

Freunde und Einsamkeit

Adolph Menzel, Die Tafelrunde Friedrichs II. in Sanssouci, 1850. Herren in Kleidung des 18. Jahrhunderts im Gespräch an einer Tafel unter einer Kuppel

An seiner Tafel in Sanssouci versammelte Friedrich gern Gelehrte und Schöngeister. Adolph Menzel malte die Runde 1850, mit Voltaire unter den Gästen, der von 1750 bis 1753 am preußischen Hof lebte. Freundschaft war für den König ein Ideal, das sich schwer leben ließ, und im Alter wurde es still um ihn.

Andreas Kilb erinnerte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an Condé, den Schimmelwallach, den Friedrich 1777 erwarb, und an die letzten Jahre, in denen dem König nur noch Pferde und Hunde blieben:

In der Potsdamer Ausstellung kann man diese Einsamkeit spüren wie einen Schleier, der sich über alles legt, was am achtzehnten Jahrhundert groß und glänzend war.

Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. April 2012

Bildnisse

Friedrich saß nicht gern Modell. Bildnisse von ihm gibt es trotzdem in großer Zahl, auf Leinwand, in Marmor und auf Porzellan. Die Auswahl zeigt, wie verschieden derselbe Mann aussehen konnte, je nachdem, wer ihn darstellte und für wen.

Bildnisse Friedrichs II. in einer Auswahl
Künstler oder WerkstattWerkJahr
Antoine PesneFriedrich als Kronprinz1736
Antoine PesneFriedrich als Kronprinz1738
Antoine PesneFriedrich II., König von Preußen1740
Johann Georg ZiesenisFriedrich der Große1763
Königliche Porzellan-Manufaktur BerlinTabatière en portrait, Tabakdose mit Bildnisum 1765
unbekannter BildhauerBüste Friedrichs II.um 1770
Anna Dorothea LisiewskaFriedrich II. von Preußen1772
Anton GraffFriedrich der Große1781
unbekannter KünstlerFriedrich II. von Preußenvor 1786
Johann Heinrich Christian FrankeFriedrich II. vor dem Janustempelohne Datum
Johann Heinrich Christian Franke, Friedrich II. vor dem Janustempel, Ausschnitt. Friedrich mit Dreispitz und rotem Kragen, der Blick zur Seite
Anna Dorothea Lisiewska, Friedrich II. von Preußen, 1772, Ausschnitt. Das faltige Gesicht des alten Königs unter dem Dreispitz

Das Gesicht mit dem Dreispitz und den großen hellen Augen kennt man. Erstaunlich ist, wie stark es sich von Bild zu Bild unterscheidet, mal streng, mal müde, mal beinahe freundlich.

Unbekannter Künstler, Büste Friedrichs II., um 1770. Weiße Büste des Königs mit großen Augen vor schwarzem Hintergrund
Tabatière en portrait, Porzellan, KPM Berlin, um 1765. Bildnis Friedrichs im blauen Rock auf dem Deckel einer Porzellandose mit Goldrand

Büste und Tabakdose zeigen eine andere Seite des Ruhms. Das Gesicht des Königs ließ sich besitzen, verschenken und auf den Tisch stellen. Wer eine solche Dose aus der Berliner Manufaktur in der Hand hielt, trug ein Stück Königsbild mit sich herum.

Wie das Thema in der Ausstellung aussah, beschreibt der Abschnitt Königsbilder. Die Lebensdaten stehen in der Zeittafel.