Zwölf Themen, ein König
Friederisiko gliederte sich in zwölf Themen. Elf davon lagen im Neuen Palais, das zwölfte führte in den Park Sanssouci, wo zehn Stationen den Garten zu Friedrichs Zeit erklärten. Jedes Thema hatte ein eigenes Emblem, das im Schloss den Weg wies.
Eine feste Reihenfolge gab es nicht. Mit dem Booklet in der Hand konnte man sich Friedrichs Welt nach eigenen Vorlieben erschließen, vom Tagesablauf des Königs bis zu seiner Heiratspolitik. Für jedes Thema stand im Ausstellungsplan ein Bild, oft ein Objekt aus den Räumen selbst:
| Thema | Bild im Plan |
|---|---|
| Le Singe de la Mode | Papierfigurine von Isabelle de Borchgrave |
| Dynastie | Johann Heinrich Schmidt: Friederike Luise von Hessen-Darmstadt, Pastell, um 1768 |
| Horizonte | Georg Christian Unger: Belvedere auf dem Klausberg, 1770–1772 |
| Tagesgeschäft | Bücher aus Friedrichs Bibliothek im Neuen Palais |
| Risiko und Ruhm | Steinschlossgewehr der Infanterie aus dem Siebenjährigen Krieg |
| Verhältnisse | Johann Lorenz Wilhelm Räntz: Wilhelmine von Bayreuth, Marmor, 1772 |
| Europa und die Welt | Teller der Königlich Preußischen Asiatischen Compagnie, China, um 1755 |
| Entwicklungspolitik | der Goldschley aus Marcus Elieser Blochs Fischwerk, 1782 |
| Königsbilder | Antoine Pesne: Friedrich II., 1740 |
| Im Wettstreit | Johann Melchior Kambli: Vier-Jahreszeiten-Schreibtisch, 1756 |
| Blütezeit | Johann Friedrich Nagel: die Marmorkolonnade im Park Sanssouci, um 1780 |
| Körper und Seele | Friedrich Wilhelm I.: Doppelbildnis eines jungen Mannes, 1736 |
Le Singe de la Mode

1742 schrieb der junge König die Komödie „Le Singe de la Mode“. Er spottet darin über die Eitelkeit eines Höflings, der jeder Mode hinterherläuft. Die belgische Künstlerin Isabelle de Borchgrave setzte das Stück mit Figurinen aus bemaltem Papier in Szene, als Promenade in zehn Bildern.
Gespielt wurde, wenn man so will, in den Räumen eines anderen: im Appartement des Prinzen Heinrich, Friedrichs jüngerem Bruder. Mehr über Stück und Inszenierung steht auf der Seite Der Modeaffe.
Dynastie

Jeden Sommer kamen Verwandte des Königs aus deutschen und europäischen Herrscherhäusern ins Neue Palais. Die Besuche dienten seiner dynastischen Politik. Durch die gezielte Verheiratung seiner Nichten und Neffen wollte Friedrich die Stellung Preußens stärken, und das Schloss war die Bühne dafür.
Friederike Luise von Hessen-Darmstadt war mehrmals zu Gast. 1769 heiratete sie den Prinzen von Preußen, den späteren König Friedrich Wilhelm II. Ihr Pastellbildnis stand für ein Thema, das man als Begegnung mit der europäischen Aristokratie erleben konnte.
Horizonte
Das Neue Palais steckt voller versteckter Hinweise auf Friedrichs Gedankenwelt. Welchen Vorbildern er folgte, welche Ideen er hatte und wie er sie umsetzte, zeigten die drei prächtigsten Säle des Erdgeschosses.
Friedrichs Horizont war weit gesteckt. Seine Schlösser und Parks spielen auf seine Lektüre an, auf Geschichtswerke und Berichte aus fernen Ländern, und immer wieder auf die Antike. Das Belvedere auf dem Klausberg zum Beispiel setzt die archäologische Rekonstruktion eines Gebäudes aus der römischen Kaiserzeit in Stein um.

Tagesgeschäft

Friedrichs Tag folgte fast zwanghaften Gewohnheiten. Man weiß recht genau, wie viel Zeit er mit Musik und Lektüre verbrachte, bei Tisch, mit den Staatsgeschäften, am Schreibtisch und sogar im Bett. In seiner Wohnung im Neuen Palais ließ sich dieses Tagewerk Raum für Raum verfolgen.
Dem Essen widmete er bis zu sechs Stunden am Tag. Lesen und Schreiben kamen kaum zu kurz: Allein vier Räume seiner Wohnung waren dafür bestimmt.
Risiko und Ruhm

Mit dem Einmarsch in Schlesien 1740 setzte Friedrich alles auf eine Karte. Die Auseinandersetzung mit Österreich, die damit begann, zog sich über Jahrzehnte. Im Siebenjährigen Krieg führte er Preußen an den Rand des Untergangs. Am Ende wurde er vorsichtig und wollte den Krieg nur noch überstehen, was ihm gelang.
Das Risiko gehörte zu seiner Lebenseinstellung, denn er wollte um jeden Preis berühmt werden. Als er den Ruhm nach dem Krieg erreicht hatte, wechselte er die Strategie und festigte ihn mit einem Bau. So wurde das Neue Palais zu seinem Vermächtnis und zum ersten Exponat der Ausstellung.
Verhältnisse

Freundschaft war für Friedrich ein hohes Ideal, Gesellschaft war ihm wichtig. In der Wohnung, die für den Marquis d'Argens eingerichtet worden war, lernte man seine wichtigsten Begleiter kennen und sah, wie sich die Freundschaft in seinem Leben veränderte.
Das Ideal war schwer zu leben. Viele Freunde verließen ihn, viele starben jung. Einen Wendepunkt brachte der Tod seiner Schwester Wilhelmine im Jahr 1758. Ihr errichtete er im Park Sanssouci den Freundschaftstempel, mit einer lebensgroßen Skulptur der Verstorbenen. Als Leitbild des Themas diente eine Marmorfigur Wilhelmines von Johann Lorenz Wilhelm Räntz aus dem Jahr 1772.
Europa und die Welt

Der Siebenjährige Krieg als erster Weltkrieg, die Teilung Polens, ein Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten, Friedrichs Versuch, das Osmanische Reich als Verbündeten zu gewinnen: In diesem Thema warfen Kuratoren aus mehreren europäischen Ländern einen Blick von außen auf den König und seinen Staat.
Friedrich eiferte Frankreich und Großbritannien in vielem nach. Nach britischem Vorbild gründete er die „Königlich-Preußische Asiatische Compagnie in Emden nach Canton und China“. Ihre Schiffe brachten die Schätze des fernen Ostens nach Preußen. Aus China stammt auch der Teller mit dem preußischen Staatswappen, der im Plan für dieses Thema stand. Er gehörte zum Service der Compagnie.
Entwicklungspolitik
Religiöse Toleranz als Maxime und ein lebhaftes Interesse an Wissenschaft und Kunst machten Friedrich zum Inbegriff des aufgeklärten Herrschers. Seine Politik sollte Wirtschaftskraft und Kultur des Landes heben, und er verstand es, sie für sein Ansehen zu inszenieren.
Die Wissenschaften förderte er vor allem, indem er die Akademie der Wissenschaften wiederbelebte. Berlin blühte als Forschungsort aber auch ohne seine Protektion auf. Der Fischforscher Marcus Elieser Bloch hatte als Jude keinen Zutritt zur Akademie, und Friedrich beachtete ihn nicht. Berühmt wurde Bloch trotzdem, in ganz Europa.

Königsbilder

Friedrich vermied es, Malern Modell zu sitzen. Trotzdem entstand eine Fülle ganz unterschiedlicher Porträts. Das Bildnis, das Antoine Pesne gleich nach der Thronbesteigung malte, wurde über Jahrzehnte als offizielles Staatsporträt kopiert. Nur das Gesicht ließen die Maler nach und nach altern.
In diesem Thema ließ sich verfolgen, wie der König selbst zur unverwechselbaren Marke wurde. Im Marmorsaal stieg er schließlich in den Olymp auf. Mehr über seine Bildnisse steht auf der Seite Friedrich der Große.
Im Wettstreit

Auch in den Künsten wollte Friedrich europäisches Spitzenniveau. Ob Uhren oder Porzellan, Seide oder Möbel, Musik oder Tanz: Er holte berühmte Künstler nach Preußen, damit das Land bei Luxusgütern mithalten konnte.
Die eindrucksvollsten Ergebnisse sind das Neue Palais selbst und sein Theater. Von diesem Ehrgeiz zeugen auch die außerordentlich aufwendigen Möbel des Schlosses, etwa der Schreibtisch mit den vier Jahreszeiten von Johann Melchior Kambli.
Blütezeit
Der Garten rund um das Neue Palais sollte ein Reich des Friedens und der Harmonie sein und zugleich eine Bühne, auf der sich der König darstellte. An zehn Stationen im Park bekam man eine Vorstellung davon, wie er zu Friedrichs Zeit aussah. Zu diesem Garten gehörte einst auch die Marmorkolonnade.

Körper und Seele

Friedrichs Jugend war traumatisch, und sie prägte sein Verhältnis zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und besonders zum Thronfolger. In dessen Appartement ging es um sein eigenwilliges Verhalten und darum, was man in ganz Europa über seine Sexualität dachte, über seine Ehe und über seinen Nachfolger.
Der Machtkampf zwischen ihm und seinem Vater, zwei eigensinnigen Menschen, galt schon den Zeitgenossen als Schlüssel zu Friedrichs Charakter. Das Leitbild des Themas stammt vom Vater selbst: ein Doppelbildnis, das König Friedrich Wilhelm I. 1736 malte, möglicherweise nach dem Kronprinzen.
Die Raumzitate
Fast jeder Raum hatte sein Friedrich-Zitat an der Wand. Wer alle gelesen hatte, schrieb eine Zeitung, meine am Ende ein ganzes „Fritz-Werk“ hinter sich zu haben. Auf vielfachen Wunsch stellte die Stiftung die Sätze noch während der Laufzeit ins Netz.