Friedrichs Komödie vom Modeaffen
Ein junger Marquis, der jeder Mode nachjagt, und ein Onkel, der ihn vergeblich zur Vernunft bringen will: Das ist der Stoff von „Le Singe de la Mode“, einem Einakter, den Friedrich 1742 auf Französisch schrieb. Für Friederisiko wurde daraus ein Rundgang durch ein ganzes Appartement des Neuen Palais.
Das Stück

Friedrich war dreißig Jahre alt, als er die Komödie schrieb, und seit zwei Jahren König. Die Hauptfigur, der „Modeaffe“, ist auf der Suche nach dem letzten Schrei und verliert sich dabei in Fragen der Architektur und der Kleidung, des Mätressenwesens und der Philosophie. Jede Szene verrät etwas über die Gedankenwelt ihres Autors und über das Leben in einem Schloss wie dem Neuen Palais.
Der Reiz liegt im Absender. Hier spottet ein Mann über Eitelkeit, der selbst sehr genau darauf achtete, wie er wirkte, und der seinen Ruhm sorgfältig pflegte. Wer die übrigen Themen der Ausstellung kannte, las die Komödie mit einem Lächeln.
Papier statt Seide

Die belgische Künstlerin Isabelle de Borchgrave erzählte das Stück als szenische Promenade in zehn Bildern. Schauplatz war das Appartement des Prinzen Heinrich, des jüngeren Bruders des Königs.
Figurinen, Kostüme und Accessoires bestanden aus einem einzigen Material, aus bemaltem Papier. Spitzen, knisternde Seide und schwerer Samt waren gemalt, gefaltet und geknittert, und sie täuschten das Auge erstaunlich gut. Die ersten Bilder der Figuren veröffentlichte die Schlösserstiftung im Februar 2012, gut zwei Monate vor der Eröffnung.

Ein Affe als Spiegel
Affen in Menschenkleidern waren im 18. Jahrhundert ein beliebtes Motiv. In Frankreich hieß die Gattung Singerie: Affen, die musizieren, malen oder tanzen, als Spott auf die feine Gesellschaft. Christophe Huet malte um 1739 eine ganze Reihe solcher Szenen.
Friedrichs Titel spielt mit derselben Idee. Der „Singe“, der Affe, ist der Mensch, der alles nachahmt, was gerade gilt. Dass die Figur in einem preußischen Schloss auftritt, das selbst mit Frankreich wetteiferte, ist eine Pointe, die sich der König wohl gegönnt hätte.
Im Ohr und im Buch
Wer mit dem Audioguide unterwegs war, hörte Szenen des Stücks als gesprochene Dialoge. Zur Inszenierung erschien eine eigene Publikation:
- 128 Seiten mit 73 Tafeln und 32 Abbildungen in Farbe, gebunden
- Text auf Deutsch und Englisch
- der Originaltext der Komödie mit deutscher Übersetzung
- Aufnahmen von Andreas von Einsiedel, der die Szenen und viele Details festhielt
Das Buch folgt der Inszenierung Szene für Szene und führt in die Hintergründe des Stückes ein. Weitere Titel zum Jubiläum stellt die Seite Bücher zum Jubiläum vor.
Friedrich und das Theater

Theater gehörte für Friedrich zur Selbstdarstellung eines Hofes. Das Neue Palais hat ein eigenes Schlosstheater, und auch dort spielte 2012 ein Teil der Ausstellung: Es gehörte zum Thema „Im Wettstreit“, in dem es um Friedrichs Ehrgeiz in den Künsten ging. In diesem Saal hatte Friederisiko auch begonnen, mit der Pressekonferenz zur Eröffnung.
Wie die übrigen elf Themen aussahen, zeigt die Seite Zwölf Themen.